BILDUNG-BILDUNG-BILDUNG

 

 

So  lautete das Motto meines Aufenthalts im Jänner, und das bleibt auch ein großes Anliegen für das kommende Jahr. Mit großzügigen Spenden konnte ich viele neue, kreative Spiel- und Unterrichtsmaterialien mitbringen oder im Fachhandel im Universitätsviertel von Addis Abeba kaufen. Diese Bücher wären sonst für unsere Familien unerschwinglich.

 

Die Freude darüber war riesig.

 

 

Wir gestalten unser Bildungsprogramm als engmaschiges Netz. Niemand soll durchfallen.

Die Kleinsten bekommen Spielsachen und dürfen Kindergärten besuchen.

 

Ab 6 Jahren startet unsere Kreativschule. Wir haben dafür eine neue Lehrerin angestellt. Genet unterrichtet Kunst und Sport und wird ab sofort unser Kreativteam verstärken. Jeden Sonntag dürfen unsere Kinder in zwei Gruppen gemeinsam lesen malen, basteln, spielen, singen u.v.m. 

 

Veronika Pernthaner-Maeke Ich habe unser Team wieder in neue Spiele für alle Altersgruppen eingeschult.

 

Alle Schüler bekommen weiterhin bei Bedarf Nachhilfeunterricht mit Lehrern aus ihren Schulen und erhalten alle unterstützenden Unterrichtsmaterialien. B’sabi besucht die erste Vorschulklasse. Mulu Zewede besucht eine Abendschule und will den Grundschulabschluss nachholen.

 

 

Kreativität heißt, auch aus einfachsten Mitteln etwas Sinnvolles, Schönes oder einfach nur Lustiges machen. Kinder, die vor 1 bis 2 Jahren noch auf der Straße betteln mussten, zeigen stolz ihre Werke: Schulhefte mit guten Noten, die erste Zeichnung, Selbstgebasteltes. 

 

In unserer Kreativschule haben wir gemeinsam unsere Stadt gemalt.

„Addis Abeba“ heißt „Schöne Blume“.

 

Erstmals durften alle Kinder mit Wasserfarben malen. 40 Kinder von 6  bis 14 Jahren haben gemeinsam gemalt. Mit diesen gemeinsam gestalteten Tapeten haben wir unser Büro dekoriert. 

Vier dieser Gemälde habe ich als Geschenke für unsere Partnerschulen mitgebracht:

 

VS Kraiwiesen,

MORG Grödig,

HAK Hallein,

Montessori- Schule Freising bei München

 

Danke für Euer Engagement und Eure Spenden! 

Im kommenden Jahr planen wir ein großes, gemeinsames Kunstprojekt mit den Kindern von Buntstifte, den Schüler/innen der VS Kraiwiesen und dem Künstler HPP Wimmer. 

 

Unsere Frauen ohne Schulbildung machen 2020 einen besonderen Alphabetisierungskurs:

Unsere besten Studenten werden die Frauen nach einem exakten Stundenplan und mit neuen Unterrichtsmaterialien unterrichten. Das Ziel: Bis zum Jahresende sollen alle Frauen ihren Namen schreiben und das Alphabet beherrschen können. 

Planungstreffen mit unseren jungen Lehrern (v.l.n.r.) Besufakad, Buruk, Surafel und Kidus

 

Die Studenten bekommen dafür einen Computerkurs.

Für diese jungen Männer bedeutet es auch eine Stärkung ihrer sozialen Kompetenz wie auch ihres Ansehens und Selbstvertrauens. Für eigene Laptops für diese Studenten suchen wir noch Sponsoren.

 

Für die jungen Frauen veranstalten wir Workshops zu den Themen „Gesundheit und Körper, Geburtenkontrolle, Hygiene, Kindererziehung“ und anderen wichtigen Bereichen des täglichen Lebens.

 

Für die  Berufsausbildung unserer Frauen haben wir neue Programme entworfen und Lehrer/innen engagiert. Besonderes Augenmerk legen wir auf Rechnen und betriebliche Kalkulation und auf eine Ausbildung in weniger überlaufenen Berufen.

 

Desta Feten machte eine Ausbildung zur Köchin für europäische und äthiopische Küche. Sie war auch unsere „Küchenchefin“ beim gemeinsamen Kochen für unser Fest.

Birhane hat eine Friseurlehre für europäische und afrikanische Frisuren absolviert. Sie hat schon viele kreative Freisuren bei unseren Frauen und Kindern gestaltet.

 

Voneinander Lernen beruht auf Gegenseitigkeit. 

 

 

So haben wir gemeinsam für unser Fest gekocht. Für 100 Menschen ohne Strom zu kochen, ist auch eine schwierige logistische Aufgabe. Doch die Frauen haben sich perfekt organisiert und in Arbeitsgruppen eingeteilt. Ich war Helferin und Lehrling. Manche Handgriffe stellten für mich eine große Heraus- forderung dar.  Aber ich hatte geduldige Lehrerinnen.

 

 

Am nächsten Tag haben wir gemeinsam gefeiert und gegessen. Es hat allen geschmeckt.

 

 

 

MENSCHENWÜRDIGES WOHNEN

 

Es wird viel gebaut in Addis Abeba. Aber was wird aus den bisherigen Bewohnern der Kleinhäuser und Hütten? Sie versuchen, in die Hügel und Berge am Stadtrand auszuweichen. Aber dort gibt es entweder keine Infrastruktur (Wasser, Strom) oder sie geraten in Konflikt mit den dort ansässigen Kleinbauern aus der Volksgruppe der Oromia, die ihren Grund nicht so einfach aufgeben. Spekulanten kaufen ihnen die Gründe unter Androhung der Enteignung weit unter Wert ab, bauen primitive Häuser darauf, um ihnen diese dann überteuert zu vermieten.

 

 

 

Atsede weiß nicht, wie lange sie noch in ihrem Haus wohnen kann. 

 

Diese Hütten auf den Hügeln außerhalb von Addis Abeba sind oft schwer zu schützen. Die Unwetter der Regenzeit unterschwemmen die Hütten, Hyänen gefährden die Kinder auf ihrem Schulweg, der Weg zur Wasserstelle ist weit. Trotzdem werden hohe Mieten verlangt.

 

 

 

Wir nehmen die Herausforderung an. Ein wichtiges Ziel für unsere Familien im ersten Jahr nach der Aufnahme in die Organisation „Buntstifte-Stadt“ heißt:

 

„Menschenwürdiges Wohnen“

Darunter verstehen wir: eine trockene Wohnung, ein dichtes Dach und dichte Wände, ein Bett; Kochstelle und Latrine; Wasserstelle in max. 10 Minuten Fußweg zu erreichen.

 

 

 

EIN NEUES LEBEN MIT EINFACHEN MITTELN

 

Im ersten Jahr nach der Aufnahme in unsere Organisation ändert sich für die Frauen und Kinder oftmals das gesamte Leben. Dabei geht es zuerst um einfache, aber existenzielle Hilfe wie Wohnen, Kleidung und Nahrung. Manchmal bedeutet unsere Arbeit ganz praktischen, handwerklichen Einsatz. 

 

Ts’hai hat ihr erstes Bett bekommen.

 

 

Wir kauften ein Bett, der „Lattenrost“ wurde maßgefertigt.

Wir zerlegten es, transportierten es per Taxi und bauten es gemeinsam auf.

 

Für die erste Sitzprobe hat Ts’hai ihr schönstes Kleid angezogen. 

 

Ein feierlicher und sehr emotionaler Moment für die junge Frau, die jahrelang mit ihrer kleinen Tochter auf dem Boden geschlafen hat. 

 

Vielen Dank an die Patin!

 

 

Durch die Spende einer Theatergruppe konnten wir 13 Familien mit Matratzen, Decken und Bettwäsche ausstatten. Frauen, die mit ihren Kindern bisher auf feuchten Lumpen geschlafen hatten, bekamen ihren „erste Luxus“. Danke!

 

 

Auch Sefinesh und ihre Tochter haben eine neue Matratze bekommen. (Bild unten) Sie zeigte mir ihren Fußabstreifer (Bild re) in der Eingangstür zu ihrer kleinen Wohnung. „Dieses Tuch war unser Bett. Wir haben es auf der Erde ausgebreitet und darauf geschlafen. Das wird immer vor der Tür liegen.  Wenn wir drüber gehen, sind wir dankbar, weil es uns so gut geht!“

 

Masetewal und ihre Kinder: (Bild unten): Im Moment der größten Hoffnungslosigkeit sind sie vor 1 ½ Jahren zu uns gekommen. Nun haben sie eine trockene Wohnung mit Bett,  und Masetewal arbeitet und wird weiter ausgebildet. Die Kinder sind gesund und besuchen den Kindergarten. 

 

 

 

Abjot trägt feierlich ihr neues Kleidchen, und Jabsra hat zum ersten Mal in seinem Leben feste Schuhe bekommen.

 

 

 

UNGEPLANTES UND UNVORHERSEHBARES

 

Krankheiten stellen uns stellen uns vor große Herausforderungen. Das Gesundheitssystem in Äthiopien ist in vieler Hinsicht mangelhaft. Es fehlt an Ärzten, Therapeutinnen und Schwestern aber auch an Medikamenten und medizinischen Geräten. Vor allem aber ist kompetente medizinische Hilfe sehr teuer. Für unsere Notfälle sind wir daher besonders auf Spenden angewiesen. 

 

Manchmal…

 

… können wir durch Sonderspenden, Knowhow und Hartnäckigkeit helfen.

 

In der Krankenbehandlung lassen wir nichts unversucht. Die Beratung und Hilfe durch österreichische Ärzt/innen war letztes Jahr besonders wichtig.

So haben wir Tenaye tatsächlich zu einem CT gebracht - eine Untersuchung, die sonst nur privilegierten Menschen in Äthiopien ermöglicht wird.  Noch ist das Diagnoseverfahren nicht abgeschlossen. Welche therapeutische Aufgabe auf uns zukommt, wissen wir noch nicht.

Alemitus Lebensqualität hat sich durch den Rollstuhl massiv verbessert. 

 

Manchmal…

 

…geht es auch darum, einen würdevollen Abschied zu ermöglichen, gemeinsam zu weinen und nach der Katastrophe die Kinder weiter zu betreuen.

Wudinesh verstarb Dezember 2019. Wir sorgen für Abeba und Endelkachew.

 

Manchmal…

…fühlen wir uns auch überfordert und machtlos…

 

Ein zweijähriges Kind mit (möglicherweise epileptischen) Anfällen. Die medizinische Kompetenz fehlt. Schmerzhafte Abnützungen der Wirbelsäule durch die schwere Arbeit macht vielen unserer Frauen zu schaffen. Kompetente Physiotherapie ist aber schwer zu finden. Psychische und emotionale Nachwirkungen der traumatischen Flucht oder Vertreibung aus den Dörfern, der Vergewaltigungen, Verstümmelungen, aber auch der Hungerzeiten quälen manche unserer Frauen noch jahrelang. 

 

…dann versuchen wir, den Schmerz zu lindern und zu teilen.

 

So ermuntern wir die Frauen, über ihre Empfindungen zu reden, hören ihnen zu, bringen Verständnis mit und Aufklärung. Oft ist es wichtig, den Frauen mitzuteilen: „Deine Angstattacken, Alpträume, Depressionen sind erlaubt. Du bist nicht allein. Du bist jetzt in Sicherheit und darfst weinen.“ Dass sie reden, verstehe ich als gutes Zeichen für unser Vertrauensverhältnis. Den Schmerz mit ihnen auszuhalten, ist meist die größte Herausforderung während meines Aufenthalts. 

 

 

Der Schmerz der Kinder - und ihre Liebe

 

Krankheit oder auch Erschöpfung der Mütter verursacht oft Angst und Hilflosigkeit bei den Kindern. Hier sind wir besonders gefordert. Einerseits geben wir den Kindern die existenzielle Sicherheit, andererseits versuchen wir, sie behutsam aufzuklären. Jedenfalls brauchen sie Trost und Zuwendung.

 

 

 

UNGEPLANTE FREUDE

 

Einladung zum Premierminister und Friedensnobelpreisträger, Dr. Abey,

Auszeichnungen und viele Briefe 

 

Unsere Organisation „Buntstifte Stadt“ hat sich in Addis Abeba gut etabliert und bei anderen NGOs, den Menschen in unserem Stadtteil Kotebe  und den zuständigen Politikern und Behörden einen guten Ruf erworben. Höhepunkt war die Einladung an uns, zwei Frauen zu einem Friedensempfang beim Premierminister zu entsenden. Eine große Ehre!

 

Yetayesh hat uns beim Premierminister vertreten. Ihre sechsjährige Tochter Meraf serviert bei meinem Besuch selbstgemachtes Popcorn und verkauft mit ihrer Mama Yetayesh verschiedene Waren. Sie besucht die erste Klasse und  malt am liebsten bunte Bilder. Noch vor zwei Jahren haben die beiden auf der Straße gelebt. Yetayeshs schwere Krankheit haben wir gut unter Kontrolle. 

Adaneche wurde für ihren erfolgreichen Weg nach einem schweren Schicksalsschlag ausgezeichnet.

 

„Ich vergesse nie, wie schlecht es mir ergangen ist, als mein Mann am Krebs verstarb. Niemand ist gekommen. Ich war mit meinem achtjährigen Sohn und der neugeborenen Tochter ganz allein und ohne Einkommen. Nur ihr ward bei mir. Ich hatte schon beschlossen, mit meinen Kindern zurück aufs Land und damit ins dörfliche Elend zu ziehen und meinen Sohn arbeiten zu lassen. Da seid ihr gekommen, und habt mir eure Hilfe zugesagt. Das werde ich nie vergessen. Ihr seid meine Eltern.“

Mittlerweile arbeitet sie erfolgreich und bildet mit ihren beiden Kindern eine kleine, fröhliche Familie.

 

40 Briefe von Schüler/innen der HAK Hallein haben bei den 

Kindern von Buntstifte große Freude und Aufregung ausgelöst.

 

 

DER WEG IN DIE SELBSTÄNDIGKEIT

 

Beruf und Einkommen unserer Frauen sind entscheidende Voraussetzungen für ihre Selbständigkeit. Diese erfordert zu Beginn eine gute Analyse ihres Bildungsniveaus sowie ihrer Möglichkeiten und Interessen. Dann suchen wir Ausbildungsplätze und Kurse, klären die Berufschancen und die Marktsituation und kümmern uns um bürokratische Belange wie Genehmigungen und Lizenzen. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, erhalten sie von uns auch ein Startkapital für ihre kleinen Unternehmen. Wir ermutigen sie zu neuen Wegen. Danach begleiten und beraten wir sie so lange als nötig. Auch Scheitern ist erlaubt. Es wird besprochen, analysiert, getröstet, motiviert und ein neuer Start geplant. 

 

Das Ziel heißt SELBSTÄNDIGKEIT.

 

Von unseren Kleinunternehmerinnen konnte ich viele selbsterzeugte Waren mitbringen. Sie werden in der Montessori-Schule Freising und bei unseren Präsentationsveranstaltungen verkauft. Der Erlös fließt in das Projekt zurück.

 

 

NEUE FAMILIEN

 

Derzeit haben wir 100 Menschen (Frauen und Kinder) in Betreuung. Aufgrund der vielen Spenden und Spendenzusagen für das kommende Jahr konnte ich wieder neue Familien aufnehmen. Die Schicksale dieser Mädchen und ihrer Kinder sind oft von Kinderheirat, Flucht, Obdachlosigkeit, Versorgungsprostitution, Krankheit und Hunger geprägt. 

 

Traurige Gemeinsamkeit dieser Frauen: Sie arbeiten, soviel sie können, doch der Verdienst reicht nicht einmal für die Miete ihrer Behausungen und ihre Ernährung. Sie kommen in größter Not zu uns und bekommen die Chance auf ein neues Leben. 

 

Viele warten auf die Aufnahme in unser Programm.

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Buntstifte e.V. 2020