Das Jahr 2018

Addis Abeba (deutsch „Schöne Blume“) wächst auf die umliegenden Hügel. Wir wachsen und wandern mit. Auch unser Hügel „Kotebe“, die äußerste nordöstliche Ausdehnung der Stadt, wird mehr und mehr nach oben erschlossen.

Die Blechdächer von Kotebe. Addis Abeba im fernen Hintergrund.

Durch den rasanten Anstieg der Wohnungskosten können sich viele Bewohner der zentraleren Stadtteile die Mieten nicht mehr leisten und wandern an die Stadtränder in die Slums ab. Dadurch steigen auch die Mietkosten für unsere Blech- und Lehmhütten. Also wandern auch wir weiter nach oben. Dort ist der Baugrund günstiger, es können also billige Häuser bzw. Hütten errichtet werden. 

Ein Blick von Kotebe auf die östlichsten Ausläufer der äthiopischen Hauptstadt.

Die Siedlungen sind schlecht mit Wasser und Strom erschlossen,  und die Wege zu den Schulen und Arbeitsstätten sind weit. Ein Vorteil besteht aber in der viel besseren Luft im Vergleich zur Hauptverkehrsnähe.

Eine Wasserstelle in Kotebe

Das Warten auf dieses wertvolle Element fordert manchmal viel Zeit und Geduld. Niemand weiß, wann das Wasser kommt.

 

Ich habe in den vergangenen drei Wochen alle 35 Familien, die wir aktuell betreuen, mit unseren Sozialarbeiterinnen und unserem Projektleiter besucht.

Natürlich bin ich nicht ohne Geschenke gekommen, also haben wir uns mit Sack

und Pack auf den Weg gemacht.

Wir haben viel Zeit mit den Familien verbracht, in Ruhe das vergangene Jahr besprochen und gemeinsam analysiert, was gelungen und was noch zu tun ist. Wir haben Absichten, Pläne, Wünsche und Träume besprochen und Möglichkeiten diskutiert, wie wir einiges davon im kommenden Jahr umsetzen können. Wir haben gemeinsam gegessen, gelacht und manchmal auch geweint. In jedem Fall bedeuten diese Besuche für die Familien eine wichtige Motivation, sich weiter zu entwickeln.

Für die Kinder habe ich vor allem Kreativmaterialien mitgebracht wie

Buntstifte und Spiele, aber auch persönliche Geschenke der Patenfamilien, Briefe,

neue, moderne Bekleidung und Schuhe.

Manche Familien konnten in den letzten Jahren große Fortschritte auf dem Weg in die Selbständigkeit machen. Die Frauen haben Berufe erlernt und können einen großen Teil ihrer Lebenskosten selbst tragen. Die Kinder besuchen die Schule, und vor allem haben die Familien ihre Wohnsituation verbessert.  

 

Frauen, die wir neu aufnehmen, finden wir aber meist in erbärmlichen Wohnsituationen mit katastrophalen hygienischen Zuständen und daraus resultierend schlechter Gesundheit.

Diese Baracken werden in der Regenzeit manchmal komplett weggeschwemmt.

Wegayes Küche, die Latrine direkt nebenan.

Menschenunwürdige Behausungen

Zu Beginn steht jeweils die Verbesserung der Wohnsituation, die Behandlung von Krankheiten, eine Grundausstattung für ihre Ernährung und die Einschulung der Kinder. Als weitere Schritte werden die Mütter in ihren beruflichen Möglichkeiten beraten und gebildet. In Kursen bieten wir Alphabetisierung an bzw. vermitteln die Frauen in Abendkurse. 

Wir führen Workshops zu vielen praktischen Themen wie Ernährung, Hygiene, Körperpflege, Empfängnisverhütung, Frauenrecht, Finanzgrundlagen etc. durch.

Danach werden individuelle Möglichkeiten zur Selbständigkeit gesucht. Je nach Bedarf und Bildungsstand werden die Frauen mit Startkapital und Grundlagen für ihren Beruf ausgestattet. Alternativ vermitteln wir sie an Ausbildungs- und Arbeitsstätten oder beraten sie in der Vermarktung ihrer Produkte und Waren. Das Ziel ist Selbständigkeit.

 

Die Kinder erhalten Nachhilfe in Kooperation mit ihren Schulen. In unseren Kreativklassen am Sonntag können sie spielen, malen und gemeinsam lernen. 

Auch die Mütter werden in das kreative Spiel mit einbezogen.

 

 

Wir fördern Kleinkinder, Schüler, aber auch unsere

Studenten an Privat- und Hochschulen.

 

 

Gemeinschaft

 

Diese Mädchen sind nach ihrer Flucht nach Addis Abeba meist völlig entwurzelt und einsam. Daher binden wir sie sehr aktiv in unsere Gemeinschaft ein. Dazu gehören regelmäßige Treffen zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Wir vermitteln sie in Kleingruppen, erfahrenere Frauen beraten die jüngeren, die Kinder lernen gemeinsam, die Frauen haben eine eigene kleine Gruppenversicherung gegründet. Sie feiern gemeinsam Feste – auch über die Grenzen ihrer verschiedenen Religionen hinweg. So ersetzen wir ihnen ein Stück weit ihre verlorenen Großfamilien.

Gemeinsam Wäsche waschen macht viel mehr Spaß!

Für unser großes Fest haben die Frauen gemeinsam für 100 Menschen gekocht und ein Buffet zubereitet, wie ich es in Äthiopien noch nie gesehen habe.

Es hat allen geschmeckt.

Die Frauen und Kinder der Organisation „Buntstifte“ in  Kotebe /Addis Abeba bedanken sich bei ihren Freunden in Europa!

 

Ameseginalehu – Danke!

 

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